Projektpartnerschaft mit Camargo-Cinti
Camargo ( 2400 m), 3000 Einwohner, liegt nahe am 20. Breitengrad südlich des Äquators
und am 65. Längengrad im bolivianischen Hochland, den Anden vorgelagert, an der
Panamerikana, etwa 250 km nördlich der Grenze zu Argentinien und Paraguay. Die
Berge sind vulkanischen Ursprungs, sehr brüchig und beweglich, mit feinstem
Sand durchsetzt, die Gegend ist sehr windig.
In der Winterzeit von Juni bis September herrschen nachts Temperaturen um den
Gefrierpunkt und tagsüber 30°, im Sommer 15° - 40°. Regenfälle gibt es nur
während der Regenzeit, wo auch der Fluss Rio Chico Wasser führt, der in den
Rio Grande mündet. Die Bewohner in den entlegenen Regionen sind deshalb mehr
als 8 Monate völlig ohne Wasser, aus diesem Grund ist eine
Trinkwasserversorgung lebensnotwendig.
Der EINE WELT KREIS hat seit 15 Jahren engen Kontakt mit Camargo. Hier
vollbringen ein deutscher Priester und Schwestern des Ordens der heiligen
Familie einen unglaublichen Einsatz für die Ärmsten der Region.
Wir unterstützen Wasserprojekte auf dem Land (Campo) und die Klinik San
Clemente mit Spenden und unserem Erlös aus dem EINE WELT LADEN.
Hanne Atzingers Bericht von einem Besuch in Camargo und Umgebung
Besuch in Camargo ( Bolivien ) 14. März – 20. April 2004
In diesem Jahr besuchten wir Bolivien nur fünf Wochen und das hatte seinen Grund: Wir reisten gemeinsam und hatten eine Aufgabe
vor uns. Padre Otto wollte in diesem Jahr sein 40 – jähriges Priesterjubiläum feiern, deshalb plante Günther ein Video zu
erstellen, das die vielfältigen Aufgaben und Projekte von Padre Otto und seiner Pfarrei zeigen sollte. Wir waren viel unterwegs und es
gab vielerlei zu sehen. Von einigen Orten möchte ich nun schwerpunktmäßig kurz berichten.
Falsuri
Seit einigen Monaten hat auch Falsuri Wasser. Wir wandern durch das Dorf , die Menschen begrüßen uns
freundlich, zeigen uns Gemüse und Obst, das bestens gedeiht. Wir wandern zum Tank hinauf, der
ca. 100 m oberhalb des Dorfes liegt und 22 000 l fasst. Leider fließt nicht immer genügend Wasser nach. Die Menschen müssen lernen,
mit dem kostbaren Trinkwasser achtsam umzugehen und nichts zu vergeuden . Harald spricht eindringlich mit den Männern, die uns begleiten. 70 Wasserstellen sind eingerichtet,
die gerade im Anfangsstadium der Trinkwasserversorgung von Verantwortlichen des Dorfes kontrolliert
werden müssen. Das Wasser von der früheren Wasserstelle wird nun für die Toiletten der Schule verwendet,
eine sinnvolle Lösung.
Huancarani
Dort gibt es schon seit drei Jahren Wasser. Erfreulich ist, dass nun das Gewächshaus endlich steht und dort alles prächtig gedeiht.
Inzwischen gibt es einen Verantwortlichen für die Erhaltung und Pflege. Gegen geringe Kosten können die Dorfbewohner Pflanzen
und Gemüse kaufen, außerdem wird der Überschuss auf dem Bauernmarkt in Camargo verkauft. Das erwirtschaftete Geld wird zum Teil in die Erweiterung und Verbesserung
des Gewächshauses gesteckt. Es scheint gut zu klappen.
Rodeo
Ein Jahr zuvor bekam Rodeo Trinkwasser. Weil die Arbeiten erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland abgeschlossen waren, warten die Campesinos darauf,
die Einweihung der drei Tanks und die Renovierung der Kapelle mit uns zu feiern. Es wird ein dreitägiger Aufenthalt und am Ende auch ein fröhlicher
und anstrengender Festtag. Ich habe aus Deutschland ein geschnitztes Kreuz - Geschenk von Freunden – mitgebracht. Es wird beim Gottesdienst geweiht und
in der neuen Kapelle aufgehängt. An drei Orten wird die Einweihung der Tanks gefeiert:
In Sunchru Pujru, Rodeo und Puijuni. Die Freude der Menschen über das Trinkwasser rührt uns sehr.
An einem Tag fahren wir mit Padre Ottos Auto und Fahrer den weiten Weg nach Cota Gaita, um dort Carmen, ein 11 –jähriges
Mädchen, das lange in der Clinica wegen einer schweren Knochentuberkulose behandelt wurde, zu besuchen. Carmen lebt
inzwischen bei einer Pflegefamilie. Schwester Teresa betreut weiterhin das gehbehinderte Mädchen, das die Schule besucht und erfreuliche
Fortschritte macht, körperlich und geistig. Die Freude über das Wiedersehen wiegt die beschwerliche Reise auf.
Curo
Wir entscheiden uns, ein kleines Trinkwasserprojekt zu begleiten und zwei Wochen in dem Dorf bei
Churo zu leben. Der Aufenthalt in der Gemeinde wird für uns zu einem paradiesischen Vergnügen. Wir
leben in einem Lehmhaus mitten unter fröhlichen Menschen, ohne die Annehmlichkeiten, wie Strom oder
fließendes Wasser, die wir zu Hause gewohnt sind.
Am Gründonnerstag können wir in einem Gottesdienst mit dem Katecheten die Ankunft des Trinkwassers
am Ort des künftigen Tanks feiern. Inzwischen ist das Trinkwasserprojekt in diesem Sektor
abgeschlossen. Günther dreht über diesen Aufenthalt und die Arbeiten am Trinkwasserprojekt ein
eigenes Video.
Wer Interesse daran hat, kann sich eine Kopie davon ( VHS oder DVD ) schicken lassen !
Das neue Siedlungsprojekt für sozial schwache Familien wird uns von Don Harald erläutert und vorgestellt. Beim nächsten
Besuch in Camargo wird sicher schon einiges in dem neuen Baugebiet zu sehen sein.
Malcastaca
Vor unserer Heimreise begleiten wir Harald nach Malcastaca. Diesen Ort kenne ich seit meinem ersten Besuch 1995 sehr gut.
Die fleißigen Bauern haben viele Fortschritte erzielt, vor allem mit ihren Pfirsichplantagen, die durch Tropfbewässerung erstaunliche
Ernten erzielen. Eine kleine Fabrik, die durch dänische Unterstützung, erbaut wurde, kann die Früchte verarbeiten,
Arbeitsplätze schaffen, bescheidenen Wohlstand ermöglichen.
Leider haben zwei Unwetter im Dezember 2003 viele Felder verwüstet. Ohne Hilfe und Unterstützung der
Pfarrei können die Schäden nicht behoben werden. Im Jahr 2005 soll Canchia Negra, eine Sektion von Malcastaca,
ebenfalls Trinkwasser und Tropfbewässerung der Pfirsichgärten erhalten.
Damit blicken wir bereits in die Zukunft. Im nächsten Jahr hoffe ich, wieder längere Zeit in Camargo und
Umgebung leben zu können und das nächste Trinkwasserprojekt zu begleiten. Es ist eine große Genugtuung
Zeit und Kraft zu investieren, dass Menschen in und um Camargo in den Genuss der Grundrechte kommen:
Wasser - Wohnung - Nahrung - Bildung.
So können die Menschen glauben, dass auch sie zu Gottes geliebten Geschöpfen zählen, hoffen, dass sie
nicht vergessen werden - und ihre Liebe und Freundlichkeit mit uns teilen.
Wettenhausen, im Dezember 2004